Festrede des 1. Vorsitzenden der HOG, Werner Henning zum zweiten
Treffen "Fiii satului" in Nadesch
am 5. und 6.August 2000
Wie die meisten von ihnen mit bekommen haben wurde innerhalb der letzten 3 Jahren die evangelische Kirche in Nadesch komplett restauriert und strahlt wieder mit neuem Glanz von der Anhöhe ins Tal. Es war keine einfache Arbeit, aber wir sind das unseren Vorfahren schuldig, wir dürften dieses Gebäude nicht einfach dem Verfall preisgeben.
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Landsleutein letzter Zeit war ich des öfteren in Nadesch und ich muss sagen die positive Entwicklung in unserem Heimatdorf hat mich beeindruckt. Ich möchte hier nur die asphaltierten Straßen und die generelle Sauberkeit im Ort hervorheben.
Es freut uns alle diese positiven Entwicklungen zu beobachten und zu genießen. Es war sicherlich keine leichte Aufgabe dieses zu bewältigen und es weiter zu pflegen.
An dieser Stelle möchte ich Hr. Bürgermeister Cârnu Alexandru und seinen Mitarbeitern für die Unterstützung danken. Gleichzeitig möchte ich sie alle in die neu renovierte Kirche zu einem ökumenischen Gottesdienst einladen, den man zum erstenmal in unserem Dorf feiert, dieses ist nämlich auch im völligen Einklang mit dem vereinigten Europa.
Das dieses Fest Fiii satului zusammen mit der Einweihung der Kirche fällt ist kein Zufall. Ich kann ihnen sagen es hat schon viele Gespräche im Vorfeld gegeben um diesen gemeinsamen Termin zu finden und ich bin froh das es geklappt hat.
Unser Dorf wurde vor knapp 700 Jahren zum ersten mal urkundlich erwähnt. Gewiss geht es uns heute sehr viel besser als den Menschen der vergangenen Jahrhunderte.
Sind wir deshalb aber glücklicher, zufriedener, freier oder unabhängiger ?
Gibt es heute für den einzelnen weniger Probleme als früher, oder sind es einfach nur andere Probleme ?
Welche allerdings nicht als geringer empfunden werden.
Die Angst vor Gefahren ist geblieben, die Sorgen um den Arbeitsplatz, um das Schicksal geliebter und vertrauter Menschen.
Die uns heute bedrohenden Gefahren sind oft unsichtbar, lautlos und ohne Geruch, aber ihre Auswirkungen kommen genau so unmittelbar und manchmal sogar unausweichlich. Viele der früheren Gefahren konnten von den Menschen nur gemeistert werden weil sie zusammen standen und gemeinsam dagegen ankämpften.
Viele der heutigen Gefahren sind erst dadurch entstanden, dass Wohlstand und Fortschritt die Menschen in die Isolation getrieben haben.
Viele müssen erst wieder Lernen miteinander zu reden und sich gegenseitig zu helfen. Vielleicht kann ein solches Fest ein wenig dazu beitragen den Geist der Gemeinsamkeit wachzurufen.
Solche Feste sind Anlässe sowohl des gemütlichen Beisammenseins als auch der Kommunikation. Nicht "virtuell" , nicht nur über die Medien sondern unmittelbar lebendig von Mensch zu Mensch. Diesen direkten Draht brauchen wir gerade in Rumänien mehr den je.
Ich wünsche dem Fest viel Erfolg und allen Festgästen gute Laune.
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