Ansprache des 1. Vorsitzenden der HOG Nadesch bei der Wiedereinweihung der restaurierten Kirche in Nadesch am 6. August 2000

Hohe Geistlichkeit,
sehr verehrte Gäste, liebe Nadescher
!


Als Vorsitzender der HOG. Nadesch erlaube ich mir hier, das Wort zu ergreifen. Ein großes Ereignis, nicht nur für die evangelische Kirchengemeinde Nadesch, sondern auch für uns, die wir heute an anderen Orten der Welt eine neue Heimat gefunden haben, hat uns diesem Sonntag in diesem Gotteshaus zusammengeführt. Ich bin sehr froh das sich ein Teil unserer Landsleute und Freunde aus der westlichen Welt entschließen konnten, an dieser Feierstunde teilzunehmen.
Ihnen und allen, die sich dann zu Spenden entschlossen hatten, war es zu verdanken, das die Arbeiten mit hoher fachlicher Kompetenz vorangetrieben und beendet werden konnten.

Dankbare Augen bestätigen, dass es richtig war, dies alles zu tun. Je mehr ich mich mit der Sache beschäftigt habe, um so überzeugter war ich von dem Entschluss hier Hand anzulegen.
Dieses Gotteshaus, wo ich getauft wurde, viele von uns getraut worden sind, unsere Eltern und Großeltern Trost gesucht und gefunden haben, ist ein Stück Heimat das man in die ganze Welt mitnimmt, ganz gleich wo, man das Zuhause gefunden hat.

Der heutige Tag ist für alle von uns etwas besonderes, für diejenigen, die hier gearbeitet haben, weil nach drei Jahren Bauzeit das Werk nahezu fertig ist, für diejenigen, die in Nadesch wohnen, weil die fertige Kirche ein Teil der oft besungenen "festen Burg " ist, für diejenigen, die von nah und fern gekommen sind, weil es ihre alte Heimat ist.

Es war unser Wunsch einen ökumenischen Gottesdienst abzuhalten. Sie hochverehrter Herr Prof. Dr. Paul Philippi, haben eigentlich schon das vorweggenommen was für die Nadescher an diesem Bau besonderes war. Auf Ihr Kommen freuen wir uns deswegen ganz besonders.
Ihnen lieber Herr Pfarrer Chiorescu und ihnen Herr Pfarrer Jokob danke ich recht herzlich für ihr kommen.

Liebe Gäste, meine sehr verehrten Damen und Herren,
dieses ist für uns eine besondere Kirche, es ist nicht irgend eine, es ist die Kirche in der viele von uns getauft, konfirmiert, getraut und so manches Kirchenfest miterlebt hat und dieses hat auch seine Bedeutung für uns, eine Bedeutung die man erst begreift, wenn man immer herkommt. Dazu gehört auch ein Rundgang über den Friedhof, der einen manchmal sehr nachdenklich werden lässt.

" Die Vorfahren haben uns dieses große Erbe zurückgelassen als Verpflichtung für unsere Gegenwart und mit einer Vision für die Zukunft. Mit der Restaurierung der Kirche ist nicht nur ein Stück Vergangenheit lebendig geblieben. Vielmehr: Hier haben wir ein Stück Bekenntnis zur Tradition, zu den Leistungen der Väter vor uns, das zur Aktion in einer besonders heimgesuchten Zeit geworden ist."
Auch sei die abgeschlossene Restaurierung der Kirche weithin sichtbares "Zeichen, dass ihr nicht allein seit, dass es Solidarität und Hilfe von Seiten unserer Freunde das es Anteilnahme und Begleitung von Brüdern und Schwestern gibt".

Die Frage, für wen die Kirche restauriert werden soll, hat eine existentielle Dimension: Wozu leben wir? Sicher ist es sinnvoll den Rahmen, in dem sich das Leben unserer Ahnen, ein Teil unseres Lebens sowohl das Leben derer die noch in Nadesch sind abspielt, menschenfreundlich im weitesten Sinne des Wortes zu gestalten.
Unserer Gemeinschaft in der heutigen Form könnte die wichtige Rolle zukommen, Identitätselemente der Erbauer dieser Kirche herüber zu retten und die junge Generationen zu überzeugen und anzuspornen dieses Erbe und die Verantwortung für die kommende Zeit mit zu übernehmen und weiterzuführen.
Eine andere Frage bleibt, ob wir die Kraft dazu aufbringen können und die nötige Unterstützung der Gemeinschaft erhalten um diese Rolle auch weiter vermitteln zu können.

Meine sehr verehrten Damen und Herren

Diese Renovierung hat fast drei Jahre gedauert, ich kann ihnen sagen das es nicht immer einfach war, aber mit vereinten Kräften und Unterstützung sowohl in Deutschland als auch hier in Nadesch haben wir es zu unserer Aller Zufriedenheit vollbracht.
An dieser Stelle möchte ich ihnen ganz kurz den Verlauf dieser Restaurierung erörtern.
Die Restaurierung war in drei Phasen aufgeteilt, die nach Dringlichkeit eingestuft wurden:
Die erste Baufase war natürlich, um weitere Schäden am Bauwerk zu vermeiden die Abdichtung des Kirchendaches und reparieren der kaputten Fensterscheiben.
Die zweite Bauphase, wohl vom Inhalt her die umfangreichste war: Die Abdichtung, Entrostung sowie streichen des Turmdaches. Die komplette Reparatur des Außenputzes (maroden Putz entfernen und neu Verputzen ca. 520 qm), streichen aller Außenwände (ca. 1600 qm), Abdichtung der Dachrinnen, Erstellung einer Abflussrinne auf der Nordseite der Kirche, anbringen von Gittern und Neubespannung mit Maschendraht an den Fenstern, usw.
Der dritte Bauabschnitt, die komplette Innenrenovierung, (maroden Putz entfernen und Neuverputzen, Risse im Putz ausbessern, Sockel an der Decke reparieren und streichen der Innenwände und Decke ca. 1000 qm )Reparatur und streichen der Fensterstöcke innen und außen, Verputzen und Streichen der Kirchenstube außen usw.

Natürlich hat diese Restauration auch viel Geld gekostet. Die komplette Restaurierung kostete zusammen über 26. 000 DM. Dieses Geld wurde durch Spenden unserer Landsleute erbracht.
An dieser Stelle möchte ich einen Spruch aus meiner Korrespondenz mit Herrn Pfr. Halmen einfügen:

"Gott ließ uns in der neuen Heimat neuen Segen finden,
wir gaben etwas davon an die alte nun zurück;
wir lassen unsere Hoffnung in der ew`gen Heimat gründen
und teilen drum mit den Brüdern Last und Glück."

Einen besonderen Dank möchte ich an dieser Stelle den Mitgliedern der Heimatortsgemeinschaft Nadesch für die beispielhafte Förderung dieses Projektes, der Baufirma HATOS, dem Herrn Bürgermeister von Nadesch Ing. Cârnu Alexandru, dem Landes und Bezirkskonsistorium, Herrn Pfarrer Johannes Halmen, dem Kurator mit Gattin, dem Kirchenvorstand von Nadesch sowie allen die an der Realisierung dieses Projektes beteiligt waren, aussprechen.
Ihnen meine sehr verehrten Damen und Herren, ihnen allen verdanken wir die Umsetzung unseres Vorhabens in die Tat.

Meine sehr verehrten Damen und Herren!
Ich bin überzeugt, dass sie mit mir einverstanden sind, dass wir so oft als möglich im Leben die Gelegenheit wahrnehmen sollten, uns in einem Rahmen wie dem heutigen zu treffen.
Es ist offensichtlich, dass alle unsere Gedanken jetzt in Dankbarkeit Gott dem Herrn zugewandt sind, im Leben Zeugen dieses Wunders sein zu dürfen. Alles in der Wiederherstellung , der Restaurierung heiliger Stätten gehört in den Bereich der Wunder und den großartigen Privilegien, die Gott der Vater den Menschen zur Verfügung stellt.
Ich möchte damit sagen, dass die Restaurierung dieser Kirche, die an diesem Ort schon einige Jahrhunderte steht, ein wesentlicher Bestandteil eines bedeutenden Versuches ist und die Wiederherstellung traditionsreicher Beziehungen zu unserer alten Heimat bedeuten soll.

Die Kirche mit ihren Wehrtürmen hatte immer auch eine Funktion der Verteidigung. Ich hoffe, dass es in der Zukunft mehr die Funktion eines offenen Hauses sein wird. Wir haben uns gedacht, dass es in Zukunft zwei Funktionen haben soll; es möge die Gemeinschaft hier schützen, es möge weiterhin über Jahrhunderte weithin leuchten als Zeichen der kulturellen Toleranz.
Mögen diese festlichen Tage uns neue Impulse geben, den edlen Geist und die Gemeinschaft unter uns erhalten und stärken, vor allem aber unsere Jugend anspornen, dieses Erbe und die Verantwortung für die kommende Zeit zu übernehmen und weiterzuführen.

Wenn das gelungen ist, dann können wir eigentlich nur das tun, was wir uns ebenfalls gewünscht haben, nämlich als Abschluss den großen Gott zu loben.

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