Zwei Feste in Nadesch
Am 5. und 6. August 2000 waren in Nadesch zwei große Ereignisse zu verzeichnen.
1. Das 2. Treffen " Fii satului" Nadesch, organisiert durch die lokale Behörde in Zusammenarbeit mit der HOG Nadesch, anlässlich der 700 Jahresfeier seit der ersten urkundlichen Erwähnung des Dorfes.
2. Die Einweihung der restaurierten ev. Kirche in Nadesch.
"... der liebe Gott wollte das auf der "Terra Nadesch", Rumänen, Sachsen und Ungaren zusammen waren um sich zu verbrüdern so wie es die Geschichte verzeichnet, um zusammen besser zu leben, um zusammen frei zu sein..."
Die offizielle Eröffnung des Festes fand im Kulturhaus Nadesch am 5. August um 15:00 Uhr statt.
Die Eröffnungsansprache hielt der Bürgermeister von Nadesch Ing. Cirnu Alexandru, in der er die geladenen Gäste begrüßte. (Eingeladen zu diesem Fest waren Frau Zamfira Pora, Generalsekretärin der Präfektur Mures, Virag György, Vorsitzender des Kreisrates Mieresch, u. a.)
In seiner Ansprache sagte der Bürgermeister unter anderem auch folgenden Satz:
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Prof. Ioan Dragan, Schuldirektor von Zuckmanteln; präsentierte eine Kurzfassung der Nadescher Monographie als Zeittafel in sehr professioneller Weise in der auch die Deportation der Sachsen nach Russland nicht unerwähnt blieb.
Prof. Gheorghe Munteanu sprach über kulturelle Ereignisse und stellte Persönlichkeiten aus der Kulturgeschichte Nadeschs vor.
Werner Henning; Vorsitzender der HOG Nadesch. hob in seiner Ansprache die positive Entwicklung seines Geburtsortes Nadesch hervor, bedankte sich bei den lokalen Behörden für die Unterstützung bei der Kirchenrenovierung und lud die Anwesenden zu einem ökumenischen Gottesdienst in die evangelische Kirche ein. "...dieser ökumenische Gottesdienst ist ein Ereignis das zum ersten mal in unserem Dorf gefeiert wird und es steht in völligem Einklang mit der Entwicklung des vereinten Europas..."
Es folgte die Überreichung der Ehrenbürgerurkunden, unter anderen auch für Johann Zakel, ehemaliger Bürgermeister von Nadesch, und post mortem für den in Nadesch geborenen Franz Friedrich Fronius, berühmter Botaniker und Theologe.
Pfarrer Halmen dankte dem Vorstand der HOG Nadesch und allen die an der Kirchenrenovierung mitgewirkt haben.
Anlässlich dieses Festes wurde auch eine Festschrift herausgegeben wo zwar auf der Titelseite das Bild der ev. Kirche abgedruckt ist, aber in deren Inhalt ich eigentlich Berichte (Bilder) von und über die Mitbürger Nadeschs Sachsen und Ungaren vermisst habe.
Es folgten die Ansprachen der Ehrengäste Virag und Pora.
Am Samstag Abend fand im Kulturhaus ein gut besuchter Nadescher Ball statt.
Am Sonntag, den 6. August wurde ein ökumenischer Gottesdienst mit Schlüsselübergabe in der neu renovierten Kirche zelebriert.
Werner Henning übergab den Schlüssel an Pfr. Johannes Halmen für die Kirchengemeinde Nadesch mit folgenden Worten: " Ich wünsche Ihnen und uns noch viele besinnliche Stunden in diesem Haus."
Der Gottesdienst wurde an der Orgel hervorragend von Prof. Stanca Bisuleanu aus Schäßburg musikalisch mitgestaltet.
Pfr. Johannes Halmen begrüßte die Anwesenden und die Ehrengäste: Prof. Dr. Paul Philippi, Kurator Prof. Hermann Baier, orthodoxer Pfr. Cristian Chiorescu, unitarischer Pfr. Benedek Jakob, Bürgermeister Ing. Cirnu Alexandru und HOG Vorsitzenden Werner Henning. in deutscher und rumänischer Sprache.
Sehr schön und wirkungsvoll war die Darbietung der Kinder aus Nadesch die ein Singspiel einstudiert hatten, an der Gitarre wurden sie durch Pfr. Halmen gekonnt begleitet. Die hervorragende Jugendarbeit von Pfr. Halmen, die ich auch bei anderen Anlässen beobachten konnte, finde ich einmalig.Dieses ist für uns eine besondere Kirche, es ist nicht irgendeine, es ist die Kirche in der viele von uns getauft, konfirmiert und getraut wurden und so manches Kirchenfest miterlebt haben, und dieses hat auch seine Bedeutung für uns, eine Bedeutung die man erst begreift, wenn man immer herkommt. Dazu gehört auch ein Rundgang über den Friedhof, der einen manchmal sehr nachdenklich werden lässt......
Gebete und Fürbitten wurden in drei Sprachen durch die jeweiligen Seelsorger ausgesprochen.
Das Evangelium (Markus 4, 35 - 41) wurde von Kindern in allen drei Sprachen vorgelesen.
Die Predigt aufgebaut auf den Text des Evangeliums Markus Vers 35 "Und am Abend desselben Tages sprach er zu ihnen: Lasst uns hinüberfahren... " wurde von Prof. Dr. Paul Philippi aus Hermannstadt abgehalten.
Werner Henning bedankte sich in seiner Ansprache bei den Anwesenden und sagte:
"...Der heutige Tag ist für uns alle etwas besonderes, für diejenigen die hier gearbeitet haben, für diejenigen die in Nadesch wohnen, weil die frisch renovierte Kirche ein Teil der oft besungenen "festen Burg" ist, für diejenigen die von nah und fern gekommen sind, weil es ihre alte Heimat ist...Bürgermeister Ing. Cârnu Alexandru sagte:
"Die Tatsache das wir uns heute hier unter diesem heiligen Dach versammelt haben, Sachsen, Rumänen, Ungaren und Andere ist ein Zeichen des guten Zusammenlebens und ein Zeichen der Liebe, das uns der liebe Gott schon vor 2000 Jahren durch seinen Sohn Jesus Christus sandte..."
Kurator Prof. Hermann Baier bedankte sich bei allen an der Renovierung Beteiligten.
In der Kirche wurde eine Tafel mit allen Spendern die für dieses Projekt mehr als 100 DM gespendet haben angebracht.
Nach langer Zeit war die Kirche wieder voll besetzt (über 350 Personen). Die Kirche und der Burghof wurden von Mitbürgern sowohl aus Deutschland als auch aus Nadesch unter der vorbildlichen Koordination von Heinrich Schorscher, 2. Vorsitzender der HOG, geputzt und hergerichtet. Zum Einweihungsgottesdienst war die Kirche mit Blumen und Gestecken geschmückt.
Nach dem Gottesdienst ging es weiter zum Kulturhaus wo das Festessen für uns vorbereitet war. Angenehm überrascht waren wir als wir die schön gedeckten Tische und die wunderschön garnierte Vorspeise erblickten.
Bei Kaffee und Kuchen, sowie beim Abendessen wurden viele angeregte Gespräche geführt.
Wir trennten uns nach den zwei schönen Tagen in sehr guter Atmosphäre. Ich glaube jeder um eine Erfahrung reicher und mit dem Wunsch das dieses Fest nicht das letzte bleiben soll.
Der Lokalsender PRO- TV in Neumarkt strahlte am Montag eine zehn Minuten lange Sendung über das Fest und die Einweihung der Kirche in Nadesch aus.
Die Lokalpresse widmete dem Ereignis z. T. mehr als eine Seite.
Zudem sendete Bukarest 1 landesweit ein etwa 4 Minuten langes Interview mit dem Verfasser dieser Zeilen.
Werner Henning
Artikel in der "Siebenbürgische Zeitung" vom 15 September 2000
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